Franz Kafka

Friday, May 13, 2016

"Der Kaufmann," by Franz Kafka: "The merchant (or The Businessman)," English version. "Der Kaufmann, The merchant (or The Businessman)," by Franz Kafka, translated in English, with Original Text in German


Jaroslav Róna's bronze statue of Franz Kafka in Prague

 

The Merchant (or The Businessman)



It is possible that some people are sorry for me, but I am not aware of it. My small business fills me with worries that make my forehead and temples ache inside, yet without offering any prospect of relief, for my shop is a small one.
I have to spend hours in advance to make things ready, refresh the memory of the house servant, warn him for fear of mistakes, and figure out each season of the year what the next season's fashions are to going be, and not the ones prevailing among the people I know, but those appealing to inaccessible peasants in the deep countryside.
My money is in the hands of strangers; their circumstances I cannot discern; the misfortune that might strike them I cannot foresee; how could I possibly avert it! Perhaps, they became prodigal and give a banquet in some inn garden, and others may be attending this banquet just a little while before their departure to America.
When in the evening of working days I lock up my shop and suddenly see before me hours, in which I will not be able to do any work to meet the uninterrupted necessities of my business, then the excitement that I drive far away in the morning comes back like a returning flood, but cannot be contained within me, and sweeps me away aimlessly with it.
And yet I can make no use of this mood, I can only go home, for my face and hands are dirty and sweaty, the clothes are stained and dusty, my working cap is on my head, and my boots are scratched by the nails of crates. I go home as carried by a wave, snapping the fingers of both hands, and I caress the hair of the children coming my way.
But the walk is short. Soon I'm at my house, open the door of the elevator, and step in.
I see that now and all of a sudden I'm alone. Others who have to climb the staircase tire a little thereby, have to wait with quick breath till someone opens the door of the apartment, which gives them a reason for irritability and impatience, have to traverse the hallway where they hang their hats, and only once they go down the aisle past a few glass doors and come into their own room are they alone.
But I'm immediately alone in the elevator, and gaze, propped on my knees, into the narrow mirror. As the elevator starts to rise, I say: “Quiet now, step back, will you, in the shadow of the trees you want to make for, or behind the draperies of the window, or into the garden trellis?”
I say it through my teeth, and the banisters flow down past the opaque glass panes like water.
“But enjoy the view of the window, when the processions come out of all three streets, not giving way to each other, but advance through each other and, between their last rank, let the open space emerge again. Wave your handkerchiefs, be terrified, be moved, praise the beautiful lady who passes by. Cross over the stream on the wooden bridge, nod to the children bathing, and gape at the Hurrah rising from the thousand sailors on the distant battleship.
Just follow the inconspicuous man, and when you have pushed him into a doorway and have robbed him, then watch him, with your hands in the pockets, as he sadly goes his way along the left-hand street. The scattered policemen on horseback rein in their galloping horses and thrust you back.
Let them! The empty streets will make them unhappy; I know it.
Already they ride away, pray, in pairs, slowly around the street corners, darting across the squares.”
Then I have to get off, let the elevator go down again, ring the doorbell, and the maid opens the door while I greet her.

From "The Tales of Franz Kafka: English Translation With Original Text In German," available as e-book on Amazon KindleiPhone, iPad, or iPod touchon NOOK Bookon Kobo, and as printed, traditional edition through Lulu. 

Der Kaufmann



Es ist möglich, daß einige Leute Mitleid mit mir haben, aber ich spüre nichts davon. Mein kleines Geschäft erfüllt mich mit Sorgen, die mich innen an Stirne und Schläfen schmerzen, aber ohne mir Zufriedenheit in Aussicht zu stellen, denn mein Geschäft ist klein.
Für Stunden im voraus muß ich Bestimmungen treffen, das Gedächtnis des Hausdieners wachhalten, vor befürchteten Fehlern warnen und in einer Jahreszeit die Moden der folgenden berechnen, nicht wie sie unter Leuten meines Kreises herrschen werden, sondern bei unzugänglichen Bevölkerungen auf dem Lande.
Mein Geld haben fremde Leute; ihre Verhältnisse können mir nicht deutlich sein; das Unglück, das sie treffen könnte, ahne ich nicht; wie könnte ich es abwehren! Vielleicht sind sie verschwenderisch geworden und geben ein Fest in einem Wirtshausgarten, und andere halten sich für ein Weilchen auf der Flucht nach Amerika bei diesem Feste auf.
Wenn nun am Abend eines Werktages das Geschäft gesperrt wird und ich plötzlich Stunden vor mir sehe, in denen ich für die ununterbrochenen Bedürfnisse meines Geschäftes nichts werde arbeiten können, dann wirft sich meine am Morgen weit vorausgeschickte Aufregung in mich, wie eine zurückkehrende Flut, hält es aber in mir nicht aus und ohne Ziel reißt sie mich mit.
Und doch kann ich diese Laune gar nicht benützen und kann nur nach Hause gehn, denn ich habe Gesicht und Hände schmutzig und verschwitzt, das Kleid fleckig und staubig, die Geschäftsmütze auf dem Kopfe und von Kistennägeln zerkratzte Stiefel. Ich gehe dann wie auf Wellen, klappere mit den Fingern beider Hände, und mir entgegenkommenden Kindern fahre ich über das Haar.Aber der Weg ist kurz. Gleich bin ich in meinem Hause, öffne die Lifttür und trete ein.
Ich sehe, daß ich jetzt und plötzlich allein bin. Andere, die über Treppen steigen müssen, ermüden dabei ein wenig, müssen mit eilig atmenden Lungen warten, bis man die Tür der Wohnung öffnen kommt, haben dabei einen Grund für Ärger und Ungeduld, kommen jetzt ins Vorzimmer, wo sie den Hut aufhängen, und erst bis sie durch den Gang an einigen Glastüren vorbei in ihr eigenes Zimmer kommen, sind sie allein.

Ich aber bin gleich allein im Lift, und schaue, auf die Knie gestützt, in den schmalen Spiegel. Als der Lift sich zu heben anfängt, sage ich: »Seid still, tretet zurück, wollt ihr in den Schatten der Bäume, hinter die Draperien der Fenster, in das Laubengewölbe?«
Ich rede mit den Zähnen und die Treppengeländer gleiten an den Milchglasscheiben hinunter wie stürzendes Wasser.
»Flieget weg; euere Flügel, die ich niemals gesehen habe, mögen euch ins dörfliche Tal tragen oder nach Paris, wenn es euch dorthin treibt.
Doch genießet die Aussicht des Fensters, wenn die Prozessionen aus allen drei Straßen kommen, einander nicht ausweichen, durcheinandergehn und zwischen ihren letzten Reihen den freien Platz wieder entstehen lassen. Winket mit den Tüchern, seid entsetzt, seid gerührt, lobet die schöne Dame, die vorüberfährt.
Geht über den Bach auf der hölzernen Brücke, nickt den badenden Kindern zu und staunet über das Hurra der tausend Matrosen auf dem fernen Panzerschiff.
Verfolget nur den unscheinbaren Mann, und wenn ihr ihn in einen Torweg gestoßen habt, beraubt ihn und seht ihm dann, jeder die Hände in den Taschen, nach, wie er traurig seines Weges in die linke Gasse geht.
Die verstreut auf ihren Pferden galoppierende Polizei bändigt die Tiere und drängt euch zurück. Lasset sie, die leeren Gassen werden sie unglücklich machen, ich weiß es. Schon reiten sie, ich bitte, paarweise weg, langsam um die Straßenecken, fliegend über die Plätze.«
Dann muß ich aussteigen, den Aufzug hinunterlassen, an der Türglocke läuten, und das Mädchen öffnet die Tür, während ich grüße.


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